Thomas Sterna   -   Videoinstallationen und Performances

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Performance in der temporären Skulptur Rolling Home
am 5.4.2013 um 19:30 Uhr in Meran - nach einem Einführungsgespräch mit Kunigunde Weissenegger (franzmagazine)
06.04.2013 - 07.04.2013

» Kulturzeit 04.2013 – Video der Performance auf vimeo.com
» Rolling Home in der Presse

siehe auch unter Video »

Eine Halle neben einer Autowerkstatt und einem Brachgelände an der MeBo-Ausfahrt in Meran Untermais. Hier baut der in Aschaffenburg geborene, seit 10 Jahren in Südtirol aktive Künstler Thomas Sterna seit Dezember 2012 an einer rätselhaften Konstruktion: Eine riesige "Kiste" von 4 Metern Breite, eingefasst in Holzräder von 6,5 Metern Durchmesser. Im Inneren des kubischen Mittelteils befindet sich ein Raum, der sich durch die komplexe mechanische Lagerung der Räder vollständig um seine eigene Achse drehen lässt - und in diesem Raum eine vollständig eingerichtete kleine Küche.



Am Freitag den 5.4.2013 um 19:30 Uhr öffnet sein temporäres Atelier und gibt die Möglichkeit, die Skulptur und den Arbeitsprozess im Zuge einer live in die Halle übertragene Projektion mitzuerleben. Nach einem einführenden Gespräch in und an der Skulptur mit Kunigunde Weissenegger wird sich Thomas Sterna mit seinem Rolling Home in Bewegung setzen.



Eine Situation die mit dem Raum ins Kippen kommt. Während manche Möbel im Raum fest installiert sind, sind ihre Türen und Schubladen aber offen, so wird ein scheinbar einfacher Vorgang, wie das Braten eines Steaks, zum Kampf mit der sich im Verhältnis zum Raum laufend verändernden Schwerkraft. Ein klares Bezugssystem von oben und unten scheint es nicht mehr zu geben. Das Chaos nimmt seinen Lauf. Der geschlossene Raum ist nicht einsehbar, das Publikum ist aber Zeuge dieser Drehungen der Skulptur und verfolgt das Geschehen via Liveprojektion aus ihrem Inneren, dokumentiert und aufgezeichnet über mehrere im Raum und eine weitere, an der Brust des Künstlers installierte Kameras. Deutlich hörbar sind jedoch die Bewegungen der im Raum auf den Künstler einstürzenden Einrichtungsgegenstände...



Mit dieser technisch und programmatisch komplexen Performance erweitert Sterna seinen bereits 1998 erstmals realisierten drehbaren Raum sowohl in seinen Ausmaßen, als auch seiner konzeptionellen Ausrichtung. In dieser vielschichtigen Arbeit stellt sich Sterna konkret dem an die Grenzen der Statik gehenden, scheinbar unmöglichen Versuch einer Rückführung virtueller Welten in reale Räume. Digitaler Videoschnitt und dreidimensionale Effekte liefern unbegrenzte Möglichkeiten, jede virtuelle Raumsituation ist mit wenigen Klicks gedreht und skaliert, das bewegte Bild vollständig manipulierbar. Der Betrachter ist längst daran gewöhnt, den Realitätsgehalt nicht zu hinterfragen. Die Gesetzmäßigkeiten des Abstrakt-Virtuellen, verlegt in die materielle Wirklichkeit, stellen den Performer vor eine kaum kontrollierbare Situation. Die Skulptur richtet sich gegen den Ordnungszusammenhang in ihrem Inneren und spielt gleichzeitig mit unseren Gewohnheiten der Bildrezeption.

Bereits 2003 führte Thomas Sterna in einem kleineren drehbaren Raum eine vielbeachtete Performance im Goldsaal des Hessischen Rundfunks in Frankfurt am Main im Rahmen der Ausstellung "Flüchtige Verfestigung" durch. Über eine Dauer von 60 Minuten verfolgte das Publikum über zwei Kameras mit, wie der Künstler sich festgeschnallt an seinem Sessel durch die Kanäle des laufenden Abendprogramms zappte. Der Fernseher dabei ebenfalls mit dem Boden verbunden, wie er selbst und eine die Raumtotale aufzeichnende Kamera. Mit der Drehung des Raumes wurde hier der Boden schließlich zur Decke, ein mit Büchern, Zeitschriften und anderen persönlichen Gegenständen gefülltes Ikearegal schließlich in seine Einzelteile zerlegt zur realen Bedrohung für den stur weiter zappenden Performer.

The Perfect Kitchen Show
Projektidee

In einem Raum, der sich um seine eigene Achse dreht, wird eine kleine Küche installiert. Die Schränke hinter dem Koch werden mit Töpfen, Geschirr und den sonst üblichen Haushaltsgeräten bestückt. Dazu gibt es eine Kochplatteund einen kleinen, mit Lebensmitteln gefüllten Kühlschrank. Die Schränke sind fix installiert, Türen und Schubladen aber offen. Gegenüber der Küchenzeile befindet sich an der Stirnseite ein fest installierter kleiner Fernseher auf dem eine Kochsendung läuft.



Erläuterung:

Es geht bei diesem Projekt um eine weitere Variante meines Drehraums, dessen zweite Version ich 2002 zusammen mit einem Ingenieur entwickelt habe. Der neue Dreh-Raum muss so umgebaut werden, dass die Kamera und ich uns in diesem Fall umeinander drehen, sodass die nicht fixierten Elemente im Raum sich entweder direkt auf mich oder auf die Kamera zu bewegen.

Gedanklicher Background:

Die zunehmende "Boulevardisierung" unserer Medienwelt hat zu einer Inflation von Kochshows im Fernsehen geführt. Bei Formaten wie z.B. "Das perfekte Promi Dinner" darf das einfache Fernsehvolk ähnlich wie bei Festen in feudalen Zeiten einen kurzen Blick hinter die Mauern der mehr oder weniger grandiosen Promi Unterkünfte werfen. Die Banalität der Dialoge und vorgeführten kulinarischen Experimente passt dabei wunderbar in das Klatsch- und Tratsch-Programm mit dem die Sender nicht nur ihre Einnahmen sichern, sondern auch die Verdummung des Publikums machtvoll vorantreiben. Diesem Treiben kann man sich nach meiner Überzeugung nur noch handelnd entgegenstellen.

   

     

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